Über den Ursprung des Schachspieles gehen die Meinungen der Historiker auseinander. Es steht aber außer Zweifel, daß es kein Spiel der heutigen Zeit mit so einer langen Vergangenheit gibt.
Das eigentliche Wettkampfschach begann so richtig erst um die Jahrhundertwende. Damals wurden große Schachturniere ins Leben gerufen. Viele Meister führten gleichzeitig eine gute Feder; ihnen verdanken wir das Nacherleben einer großartigen Schachepoche.
Fesselnd wie ein Roman liest sich z. B. das Buch Goldene Schachzeiten von Prof. Milan Vidmar. Wir haben die Verpflichtung, anläßlich unseres 80jährigen Bestehens der Männer zu gedenken, denen wir die Goldenen Schachzeiten in Buer zu verdanken haben.
Als die Gebrüder Happe 1921 in der Gaststätte Nachbar-Schulte in Buer-Hassel zum erstenmal die Schachbretter aus Wachs ausrollten und bald darauf den Verein gründeten, ahnten sie nicht die großartige Entwicklung voraus.
In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde eine Reihe von Schachvereinen aus der Taufe gehoben. Nicht alle überdauerten die Krisen. Der buersche Verein fand glücklicherweise immer Männer, die mit viel Idealismus das Schiff flotthielten. Sie steuerten es durch schwere Zeiten während der Inflationsjahre und hielten es auch während des zweiten Weltkriegs in Gang.
Aber nun zu den Anfängen:
Am 5. Juni 1921 trafen sich in Buer-Hassel die Gebrüder Emil, Gustav und Happe sowie vierzehn weitere Freunde des Königlichen Spiels und gründeten den Schachverein Buer-Hassel. Das Gründungsprotokoll in vollem Wortlaut:
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Um das Schachspiel in Buer-Hassel zu fördern, insbesondere Anfängern Gelegenheit zu bieten, sich weiter auszubilden, entschlossen sich einige befreundete Schachspieler, die Gründung eines Clubs vorzunehmen. |
Emil Happe übte das Amt des ersten Vorsitzenden drei Jahre lang aus. Tatkräftig unterstützten ihn dabei seine Brüder Gustav und Heinrich.
Aus dem Protokollbuch der Jahre 1921 bis 1931, das durch alle Wirren gerettet wurde, geht hervor, daß der Mitgliedsbeitrag in den Inflationsjahren bis auf 200.000 Reichsmark pro Monat anstieg. Für Spielmaterial wurden in einem Jahre mehr als 1.000.000 Reichsmark benötigt.
In einem Versammlungsprotokoll vom 30.12.1923 heißt es: Da sich die Geldverhältnisse gebessert haben, wurde beschlossen, einen Monatsbeitrag von 0,50 Mark = 500 Milliarden festzusetzen. Die Inflation war zu Ende. Gleichzeitig erhöhte sich die Mitgliederzahl; 22 waren es 1924.
In den ersten Jahren hatten die Gebrüder Happe in Vereinsturnieren die größten Erfolge. Der beste Vereinsspieler war Gustav Happe, der auch die ersten beiden Vereinsmeisterschaften, 1921 und 1922, gewinnen konnte. Von 1923 bis 1927 wurde Albert Gleixner, der aus dem zweiten Weltkriege leider nicht zurückkehrte, ununterbrochen Vereinsmeister.
Als sich 1925/26 die ersten Schachkreise bildeten, war der SV Buer-Hassel Gründungsmitglied des Schachkreises Herne. Die Bueraner beteiligten sich an der ersten Mannschaftsmeisterschaft und wurden nach spannendem Stichkampfduell mit dem SC Herne 19 Bezirksmeister.
Nach zwei Jahren trat Buer dem frischgegründeten Vestischen Schachkreis bei. Aus der Zeitschrift Westfalenschach des Jahres 1931 geht hervor, daß der Schachverein Buer-Hassel erstmalig verlustpunktfrei die Kreismeisterschaft erringen konnte. Während dieser Zeit glänzten bei Einzelturnieren die Schachfreunde Hermann Wilczek, Fritz Brock und Bernhard Stoffers, der später den Vorsitz übernahm. Bernhard Stoffers wurde 1929 erstmals Kreismeister, dann schaffte es auch Fritz Brock.
1929 wurde auch die erste Stadtmeisterschaft von Gesamt-Gelsenkirchen ausgetragen. Es siegte Wilhelm Ernst (Schach-Union) vor Hermann Wilczek (Buer) und Willi Klein (Schach-Union). In Buer spielte man also nicht nur Schach zum Zeitvertreib, sondern man war schon damals in Mannschafts- und Einzelturnieren recht erfolgreich.
Mitte der zwanziger Jahre gab es im Schach leider noch den Klassenkampf. Paul Platzek (Meister des Arbeiterschachvereins Buer-Resse) benötigte z. B. damals eine Sondergenehmigung seines Vorstandes, um in Buer beim Meisterturnier der Bürgerlichen mitspielen zu können. Er wurde Zweiter hinter Theo Werth.
Ab 1928 spielte und lehrte der Klub in zwei getrennten Lokalen, und zwar in Buer und Hassel, um den Interessenten beider Stadtteile entgegenzukommen. Dabei hatte sich der Schwerpunkt mehr und mehr nach Buer verlagert.
Im Sommer 1931 trennte man sich endgültig von den Hasseler Schachfreunden. Der Verein nannte sich nunmehr Schachverein Buer 21. Auch der neue Klub SF Hassel 31 förderte rührig das Schachleben im Norden der Stadt und feierte jetzt sein 70jähriges Jubiläum.
Robert Courté und Gottfried Trier führten zeitweise den Verein. Wenn man mit ihnen in den sechziger Jahren sprach, so fielen immer wieder die Namen Albert Gleixner, Hermann Wilzek, Bernhard Stoffers, Fritz Brock, Wilhelm Elvenkemper, Theodor Werth usw., die damals dem Buerschen Schachleben das Gepräge gaben.
Der Klub spielte bei Feldmann an der Mühlenstraße, Rottmann, Horster Straße und bei Berger-Kerkhoff, Marienstraße.
In den dreißiger Jahren gehörte Willi Lechtenbörger, heute 82 Jahre alt, zu den hoffnungsvollsten Jungtalenten. Er schloß sich 1932 als 13jähriger dem Verein an. Seine Laufbahn ist durch die Einberufung zum Militär und den Krieg unterbrochen worden. Nach seiner Rückkehr wurde er 1949 und 1950 Vereinsmeister. Willi Lechtenbörger ist heute unser dienstältestes Mitglied!
Im Jahre 1936 übernahm Wilhelm Kober den Vorsitz im Verein und behielt dieses Amt bis zu seinem Tode am 13. Mai 1956. Trotz der organisatorischen Belastung spielte er jahrelang in Turnieren eine gute Rolle als Mitglied der ersten Mannschaft.
(in Festzeitschrift "80 Jahre Schach in Buer")